Manche Menschen sind echt seltsam
Nicht böse. Nicht grausam. Nicht einmal unbedingt schlecht.
Einfach nur: seltsam.
Es gibt Menschen, denen schenkst du hundert gute Tage. Du gibst ihnen Zeit, Aufmerksamkeit, Kreativität, manchmal mehr, als du eigentlich hast. Und sie nehmen es. Sie lächeln. Sie sagen Danke. Alles scheint gut.
Und dann passiert ein einziger schlechter Moment. Ein Fehler, ein Missverständnis, eine unbeholfene Geste, die du sofort bereust. Und plötzlich zählen die hundert guten Tage nichts mehr. Sie werden ausradiert, vergessen, begraben unter einem Berg aus Dramatik, den du nicht mehr erkennst – weil er mit dir so wenig zu tun hat.
Diese Menschen bauen sich dann eine Bühne. Sie stellen sich in die Mitte, ziehen ein trauriges Kleid an und singen Lieder über das Grauen, das draußen wartet. Sie machen aus einem Fehler eine Identität. Aus einem Moment eine lebenslange Rolle: das unschuldige Opfer, bedroht von einem Monster, das es nie gab.
Und du stehst da, schaust zu und denkst: Das alles… wegen mir? Wegen dem einen Ding, das ich längst bereut habe? Und dann merkst du: Nein. Das hat mit dir kaum noch etwas zu tun. Du bist nur noch der Name auf dem Plakat, das sie sich selbst gemalt hat, um sich als Heldin ihrer eigenen Geschichte zu fühlen.
Das ist nicht böse. Es ist seltsam.
So seltsam, dass du aufhörst, wütend zu sein.
So seltsam, dass du aufhörst, dich zu rechtfertigen.
So seltsam, dass du irgendwann nur noch dastehst, den Kopf schüttelst, leise lächelst und weitergehst.
Denn manche Brücken baut man nicht wieder auf – nicht, weil man nachtragend wäre, sondern weil auf der anderen Seite jemand steht, der immer noch Ziegelsteine malt, obwohl längst Frieden möglich wäre.
Manche Menschen sind echt seltsam.
Und das ist okay.
Nur meine Welt ist es nicht mehr.
(yourself, gefunden auf spin.de)
